...ich ging unter den nächsten Leuchter und las.
Da stand in kleinen taumelnden Buchstaben, schwer zu lesen, etwas gekritzelt:

Hermann Hesse:
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"Der Steppenwolf" von Hermann Hesse wurde im Jahr 1927 veröffentlicht - ein altes, aber zugleich zeitloses Buch, das sehr starke Parallelen zu einem weiteren Klassiker der Literatur aufweist: "Faust" von J.W. v. Goethe. Wer "Faust" kennt, sollte auf jeden Fall einmal den Steppenwolf lesen und wird sehr viele Gemeinsamkeiten entdecken ;).
Die Hauptfigur aus Hesses bekanntem Roman heißt Harry Haller und bezeichnet sich selbst als Steppenwolf, der rastlos, einsam und entfremdet in einer merkwürdigen Welt lebt. Die Flucht aus dem bürgerlichen, normalen Leben gelingt ihm durch nächtliche Streifzüge in Kneipen nur sehr bedingt. Haller verzweifelt langsam an seiner Zwiegespaltenheit, an seiner Intelligenz und Sensibilität - einerseits wünscht er sich ein bürgerliches Leben und pflegt es, andererseits verachtet er die anderen Menschen aus tiefstem Herzen.
Als er nach einer verbalen Entgleisung seinem alten Professor gegenüber dem Selbstmord bereits gefährlich nahe ist, passiert etwas Merkwürdiges: Ein Fremder überreicht ihm auf der Straße ein kleines Büchlein: das "Traktat vom Steppenwolf", in dem von Harry, dem Menschen mit den zwei Seelen, die Rede ist. Der Wolf stellt den entgegengesetzten Zug von Harrys "Spießerseele" dar und liegt in ständigem Clinch mit ihm, woran Harry fast zerbricht.
"Bei unserem Steppenwolf nun war es so, daß er in seinem Gefühl ... bald als Wolf, bald als Mensch lebte, wie es bei allen Mischwesen der Fall ist, daß aber, wenn er Wolf war, der Mensch in ihm stets zuschauend, urteilend und richtend auf der Lauer lag - und in Zeiten, wo er Mensch war, tat der Wolf ebenso..."
Durch Zufall treten nun zwei Menschen in Harrys Leben und verändern es für immer: Hermine, die Harry in einem Wirthaus trifft, und Pablo, ein merkwürdiger südamerikanischer Bekannter Hermines, der das leichte Leben, den Drogenkonsum und die freie Liebe propagiert. So lernt Harry loszulassen, zu feiern und zu lieben. (Überhaupt finden sich im "Steppenwolf" zahlreiche Hinweise auf Drogen und dadurch ausgelöste Rauschzustände. Dies mag ein Grund dafür sein, dass das Buch vor allem bei der Hippie-Generation der 70er beliebt war; es handelt viel von Fremdartigem und Unkonventionellem.)
Das Thema des Steppenwolfs ist Harrys Selbstfindung, denn er kommt zu dem Schluss, dass in jedem Menschen nicht nur zwei Seelen wohnen, sondern hunderte, ja tausende Persönlichkeiten im Widerstreit stehen.
Das Buch ist manchmal langatmig und trocken, weist aber durchgehend unheimliche und surreale Ereignisse auf, zum Beispiel das "Magische Theater", in welches Harry am Ende von Pablo geführt wird, um ihn lachen zu lehren. Es ist nicht ganz einfach zu lesen und weist sehr viele Metaphern auf, so dass man stellenweise nicht mehr weiß, was Realität und was Schein ist - von Hesse sind diese Spielereien natürlich gewollt. Insgesamt ist der Steppenwolf ein Leseabenteuer für den, der sich darauf einlässt - und keine Angst hat vor etwas komplizierterer Literatur.
"Sie wissen ja, wo diese andre Welt verborgen liegt, dass es die Welt ihrer eigenen Seele ist, die Sie suchen. Nur in Ihrem eigenen Innern lebt jene andre Wirklichkeit, nach der Sie sich sehnen. Ich kann Ihnen nichts geben, was nicht in Ihnen selbst schon existiert, ich kann Ihnen keinen anderen Bildersaal öffnen als den Ihrer Seele..."
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