
Vergesst Harry Potter (nicht wirklich - ich bin selbst ein riesengroßer
Harry-Potter-Fan und werde sterben, wenn nicht bald der sechste Band erscheint...):
Wer etwas über Magie lernen möchte, darf auf gar keinen Fall Neil
Gaimans Books of Magic verpassen.
Als ich den Comic-Sammelband (erschienen 1993 bei Vertigo / DC Comics) für
teures Geld auf einer Comicbörse gekauft hatte, habe ich beim Lesen nur
so ziemlich die Hälfte verstanden; meine Englischkenntnisse waren für
die komplexe Story einfach nicht gut genug. Trotzderm hat mich das Comicbuch
während des Lesens so stark beeindruckt wie kein anderes, von James O'Barrs
The Crow vielleicht einmal abgesehen.... leider fällt
mein Exemplar nahezu auseinander, so dass ich mich bald nach einem neuen umsehen
muss.
Die Geschichte ist in ihrem Kern recht einfach erzählt - der Junge Timothy
(der Harry Potter nicht unähnlich sieht, seine Eule heißt allerdings
nicht Hedwig, sondern Yo-Yo. Die Books of Magic sind natürlich älter
als die HP-Romane, aber Ähnlichkeiten sind sicherlich nicht beabsichtigt
- Gaiman selbst hat der Presse ausdrücklich versichert, dass er Rowling
nicht des Ideenklaus bezichtigt.) wird von ein paar mehr oder weniger beunruhigenden
Männern aufgesucht, die große Pläne mit ihm haben:
"All right... what are you proposing to do?"
"Enlighten the child. Show him what magic truly is, and what it was, and what it may become. He has the potential to become the most powerful human adept of his age. It is up for the four of us to ensure that he chooses his path correctly. That is our mission, and our burden."
Die vier Fremden, von denen nicht alle vertrauenswürdig sind - aber das wird der Leser schnell spüren - unterbreitenTimothy ein schier unglaubliches Angebot: Er soll sich von ihnen auf den Weg der Magie führen lassen und dann selbst entscheiden, ob er ein Magier - der mächtigste Magier seiner Zeit werden will.
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Timothy willigt ein - der Beginn einer unglaublichen Reise durch die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Magie, in deren Lauf der Leser sowohl den Beginn der Welt als auch das ferne Ende des Universums miterlebt. Und genau hier liegen die Stärken des Comicbuches: Was eigentlich unvorstellbar ist, etwa das Ende aller Zeit, bekommt in den Books of Magic ein ausgezeichnet gezeichnetes Gesicht und wird zum Greifen nah.
Die gewaltigen Bilder und magischen Herausforderungen, die Timothy zu Gesicht bekommt, sind sensibel und intelligent umgesetzt, so etwa der Fall Luzifers aus der Hölle, die Begegnung mit dem jungen Merlin im Mittelalter und die zahlreichen und grausamen Magiekriege, mit denen Timpothy sich der Zukunft konfrontiert wird.
Neben allerlei skurriler Gestalten trifft der Leser auch alte Bekannte wieder - den Sandman und seine Schwester Death - und ebenso bekannte Sagen- und Mythengestelten wie die Hexe Baba Yaga und ihr laufendes Haus und die Ritter aus Camelot.
Die Books of Magic bieten neben den ausgezeichneten Texten von Neil Gaiman verschwenderisch schöne Bilder von vier Zeichnern - John Bolton, Scott Hampton, Charles Vess und Paul Johnson - mit vier höchst unterschiedlichen Zeichenstilen von Aquarell über Pastellkreide hin zu bis klassisch-comichaft (keine Ahnung, wie man das nennt, werden wohl Tuschezeichnungen o.Ä. sein?). Während man ja bei vielen Comics entweder die schlechten Zeichnungen oder den fehlenden Plot oder die einfallslosen Texte zu bemängeln hat, bringen die Books of Magic alle drei Aspekte gekonnt unter einen Hut.
Neil Gaimans Books of Magic sind kein Kinderbuch - dafür ist die Story zu komplex, die Szenen teilweise zu gewalttätig und erschreckend. Es ist einfach ein verdammt gutes Comic *g* . Ich empfehle, es auf englisch zu lesen.
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Links zu den Books of Magic:
Kurzes
Special über den Künstler Neil Gaiman bei Splashcomics
Ein
paar unglaublich tolle Bilder vom Sandman
Ein
Sandman-Artikel bei Comic Radio Show
The Dreaming - eine Neil-Gaiman-Page
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