"Haltet die Uhren an. Vergeßt die Zeit. Ich will Euch Geschichten erzählen. Vergeßt die Zeit, die man Geschichte nennt. Taucht ein in die Zeit der Geschichten. Auch ich, der vor euch sitzt, vergesse die Zeit..."

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James Krüss

James Krüss ist ein Kinderbuchautor, der mir persönlich viel bedeutet - ich habe die Taschenbuchausgaben von "Die Glücklichen Inseln hinter dem Winde" und von "Timm Thaler oder das verkaufte Lachen" seit meiner Kindheit und beide sind mehr oder weniger zerlesen - die Glücklichen Inseln etwas mehr als Timm Thaler. Wer keine Kinderbücher mag, kann diese Seite verlassen und schnell wieder in die Bibliothek zurückkehren ;-). Vorstellen möchte ich hier zunächst nur die beiden genannten Geschichten, die Krüss in seiner Reihe "Die Geschichten der 101 Tage" schrieb.

Zu empfehlen sind beide - nicht nur für Kinder - und vor allem der recht bekannte und auch verfilmte Klassiker "Timm Thaler", das Märchen von dem Jungen, der sein Lachen dem Teufel verkauft und dafür jede Wette gewinnt.

Timm Thaler | Die Glücklichen Inseln hinter dem Winde | Links | Über James Krüss


 

Die Glücklichen Inseln hinter dem Winde

oder

Wo Tante Julies Reise endete

"... Auch ich vergesse die Zeit... Ich sitze unter euch, ein Dampferpassagier, der zu einer schönen Insel unterwegs ist. Kommt mit zu dieser Insel und lasst euch die Geschichten des vierundsiebzigsten bis zum achtzigsten Tag erzählen. Fragt ihr mich aber doch nach Ort und Zeit, dann ist es Sommer im Adriatischen Meer, und ihr lest: Die Glücklichen Inseln hinter dem Winde."

Gut zwei Jahrzehnte nach Ende des Zweiten Weltkrieges fährt Käpt'n Daworin Mirankowitsch mit seinem Fracht-Passagier-Schiff, einem Zweitausendtonner namens "Zikade II", die jugoslawische Küste hinunter. An Bord sind neben ihm Tante Julie, die Maus Philine, vier befreundete Möwen, Miss Gloria Brown, der junge Matrose Petar, der Koch Wu, Schiffsarzt Doktor Pietsch und der Stewart Bob. Das Schiff erreicht jedoch sein ursprüngliches Ziel nie, denn als in der Ferne eine seltsame Inselgruppe auftaucht, spielen sämtliche Instrumente verrückt und das Schiff ist nicht mehr zu steuern. Die Besatzung, zunächst misstrauisch, kann ihr Glück kaum fassen, als sie sanft in der Flamingobucht anlegen und tatsächlich die sagenhaften Glücklichen Inseln erreichen - dorthin kann nur, wer am Glücklichen Tag Geburtstag hat (und das ist erstaunlicherweise gleich bei drei Passagieren der Fall).

Zunächst erstaunt von den Bewohnern der Insel - die Dampferpassagiere werden an einem sogenannten M-Tag von einem Marder, einem Meerschweinchen und einem Murmeltier begrüßt - lernen Kapitän Dado und seine Mannschaft schnell, was es bedeutet, glücklich zu sein. Als Gäste der Glücklichen Inseln besucht der bunte Trupp mitsamt Maus und vier Möwen die wichtigsten Orte und Sehenswürdigkeiten der Inselgruppe, die auf der keiner Seekarte zu finden ist. Die Ausflüge führen unter anderem auf die Insel Publa Cumba, wo sich die halbe Inselbevölkerung in einem gigantischen Napfkuchen vergnügt, auf das schwarz-weiß gemusterte Eiland Pintiretto, auf dem Bilder zur Realität werden, ins leckere Dorf, in dem man Geschichten gegen Süßigkeiten eintauschen kann, und auf die Spielinsel Jou-Jou.

"Die Glücklichen Inseln" ist ein wunderbares Buch voller schöner und erstaunlicher Einfälle und in seiner Weisheit vom Glück durchaus mit den Erzählungen von Michael Ende zu vergleichen - aber es ist dennoch ein Kinderbuch. Ein Blick hinein lohnt sich in jedem Fall für Kinder und junggebliebene Erwachsene, und wer sowieso die Geschichten von James Krüss mag, wird das Buch lieben. Denn in den Geschichten der Glücklichen Inseln kann man tatsächlich versinken; Krüss schildert ein modernes Bild der alten menschlichen Vorstellung vom Paradies, in dem Menschen und Tiere friedlich miteinander leben und die Menschen ihre Macht völlig abgegeben haben.

Leseproben:

"Am Heck eines der Boote sah ich den alten Mann von Paxos. 'Wohin mag er so spät noch segeln?' murmelte ich.
Da sah ich, wie der Alte sich umdrehte und die Hand erhob, als wolle er mir zuwinken. Gleichzeitig hörte ich ganz nah seine Stimme.
Er sagte: 'Ich segle dorthin, wo es keine Horizonte mehr gibt. Man nennt es auch sterben. '

'Sterben?', rief ich. 'Wie schrecklich!'
'Warum schrecklich?' sagte die Stimme des alten Mannes. 'Wer glücklich gelebt hat, stirbt gern.' Inzwischen waren die drei Segler kleiner und ferner geworden. Kaum konnte ich den alten Mann am Heck erkennen. Nur seine ruhige Stimme vernahm ich.
'Wer ist in den anderen Booten?' fragte ich. 'Im vorderen sitzt eine Amsel', antwortete von fernher der Alte.
'Im zweiten träumt ein Leopard. Doch ich muss schweigen. Die Amsel singt. Leben Sie wohl, Käpt'n Dado!'
"Sterben Sie wohl, alter Mann', antwortete ich leise."


"Ich kaufte mir für den ersten Abschnitt der Geschichte gebrannte Mandeln, für den zweiten kandierte Früchte, für den dritten Waldmeistereis und für den Schluss ein Glas Honigbier. Meine Freunde kauften sich für ihre Geschichten nur eine einzige Leckerei. Aber das ist ein viel zu hoher Preis, finde ich. Denn eine gute Geschichte ist so viel wert wie ein Stuhl oder ein Tisch und manchmal soviel wie ein Haus. Man kann sie nicht mit einer Handvoll Drops bezahlen. Dann ist es besser, sie zu verschenken.

Ich zum Beispiel habe im Leckeren Dorf eine Geschichte verschenkt. Und ich habe es gern getan.
Es war in einem Blumenladen, in dem es duftete und blühte wie in einem Garten. Da war ein Herr mit einem länglichen Gesicht und großen blauen Augen, dem ich ganz umsonst eine Geschichte aus Montenegro erzählte. Dieser Blumenhändler war niemand anders als Hans Christian Anderson, der große Märchendichter aus Dänemark. Er schenkte mir zum Abschied eine Rose, die nie verwelkt, und sagte: 'In der Blüte dieser Rose werden Sie jeden Tag einen Tautropfen finden. Wer ihn trinkt, gesundet augenblicklich von jeder Krankheit.' "

recht ausführliche Rezension bei amazon.de unter diesem Link..


Lehre mich lachen - rette meine Seele.

- Sprichwort

Timm Thaler

oder

Das verkaufte Lachen

"Timm Thaler", die Geschichte vom verkauften Lachen, ist heute ein echter Kinderbuchklassiker; wegen seiner Weisheit ist das Buch aber auch für Erwachsene durchaus empfehlenswert. James Krüss erzählt dem Leser von Timm Thaler, dem Jungen, der besonders hübsch lachen kann und der deshalb sein Leben relativ leicht meistert, obwohl er Waise ist und bei seiner schrecklichen Stiefmutter und ihrem nicht minder schrecklichen Sohn leben muss.

Doch eines Tages trifft Timm auf dem Rennplatz einen feinen Herrn im Anzug, der sich ihm als "Herr Lefuet" vorstellt und der dem Jungen ein Geschäft vorschlägt: Wenn Timm dem Herrn sein Lachen verkauft, dann soll er ab sofort jede Wette gewinnen. Wenn er allerdings jemandem von dem Tauschhandel erzählt, dann verliert er sowohl sein Lachen als auch die Fähigkeit, Wetten zu gewinnen; und wenn Timm hingegen jemals eine Wette verlieren sollte, dann bekommt er sein Lachen "gratis" zurück.

Timm willigt erfreut in den Handel ein, denn die Sache mit dem Wetten erscheint ihm mehr als großartig. Nichtsahnend unterschreibt er den aufgesetzten Vertrag mit einer warmen roten Flüssigleit und achtet auch nicht auf den Namen des merkwürdigen Herrn (Lefuet = Teufel).

"Das Lachen unterscheidet Mensch und Tier.
Denn man erkennt den Menschen stets daran, dass er zur rechten Stunde lachen kann."

Erst als der fremde Mann mit Timms Lachen zu lachen beginnt, Timm aber nur noch seine Lippen aufeinanderpressen und ein böses Gesicht machen kann, ahnt er welche Schwierigkeiten nun auf ihn zukommen. Und tatsächlich hat der Junge ohne sein Lachen keine Freude mehr am Leben, und auch keine Freunde - denn alle wenden sich ab von dem Jungen, der nicht lachen kann und auch niemandem erzählt warum.

Mit 16 Jahren schließlich geht Timm auf Reisen, um sein Lachen zurück zu gewinnen. Und neben Herrn Lefuet trifft er zum Glück auch vertrauenswürdige Freunde - den Reedereichef Herrn Rickert und seine alte Mutter, den Steuermann Johnny und Kreschimir, der dem Teufel seine schönen braunen Augen verkauft hat. Außerdem schließt er eine Menge verrückter Wetten ab - unter anderem, dass man in Gennua fliegende Straßenbahnen sehen kann und dass er der reichste Mann der Welt wird. Zugleich lernt Timm, wie er ohne sein Lachen überleben kann, er bereist die Welt, wird erwachsen und lernt eine Menge über die Menschen - und natürlich über die Fähigkeit zu lachen.

James Krüss hat mit diesem Buch eine fantastische Geschichte und ein Märchen über den Wert des Lachens und der Freundschaft geschrieben. "Timm Thaler" ist witzig und tragisch zugleich, anspruchsvoll und unterhaltsam - und einfach gut.

Auszüge:

"Der arme Timm saß wie ein Stein in einem Meer von Lachen. Die alte Frau Rickert neben ihm lachte so sehr, dass sie das Gesicht in die Hände nehmen und sich nach vorn überbeugen musste, weil ihr vor Lachen die Tränen aus den Augen kullerten. Da bemerkte Timm zum ersten Mal, wie ähnlich sich die Gebärden des Lachens und des Weinens sind. Und er tat etwas Schreckliches: Er nahm sein Gesicht in die Hände, beugte sich vornüber und tat, als lache er. Und dabei weinte Timm."



"Mit einem Mal fühlte Timm sich schwer werden, als stiege schwarzes Wasser in seinen Gliedern auf. Er spürte körperlich, dass ihn das Lachen verließ. Er stand, tropfend zwischen tropfenden grünen Gefängniswänden, wie ein Gelähmter. Der Regen rieselte in die Pfützen zu seinen Füßen. Rings ein einziges Rinnen, Platschen und Herunterfallen, ein großes, endloses Weinen. Und mitten darin stand der sehr kleine Timm mit seinem ernsten traurigen Gesicht. Aber plötzlich war das Lachen wieder da, das Lachen mit dem Schlucker, wie es sich gehörte. Der Junge wusste nicht: Hatte er selbst gelacht, oder steckte sein Lachen zwischen den Eibenwänden?

Die Erklärung war viel einfacher: Lefuet stand hinter dem Jungen. 'Sie sind in ein sogenanntes Labyrinth geraten, Herr Thaler, in einen Irrgarten. Kommen Sie, ich führe Sie hinaus.'

Willig ließ Timm dem Baron eine Hand, willig ließ er sich im Pavillon trockenreiben und umkleiden, willig ließ er sich von einem Bedienten unter einem Regenschirm ins Schloss geleiten. Erst im Turmzimmer kam er langsam wieder zu sich. Und diesmal erleichterten keine Tränen die Wut des Jungen. Diesmal packte ihn kalte Wut. Ein hochstieliges rotes Glas, das auf einem Regal stand, zerdrückte er mit solchem Ingrimm, dass die Hand zu bluten begann."


Rezensionen bei amazon.de

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James Krüss im WWW:

www.james-kruess.de - Die offizielle Homepage mit Bilder vom Autor, Bibliographie

www.geocities.com/~aristipp/litlinks/kruss.htm - fünf Links zu Krüss' Gedichten im Netz

Artikel in der BerlinOnline anlässlich Krüss' Tod

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Über den Autor:

Was der leider inzwischen verstorbene Autor über sich selbst erdichtet hat, ist zu nett, um es unter den Tisch fallen zu lassen und stellt gleichzeitig eine kurze Biographie dar - man beachte die Einhaltung des ABC bei den einzelnen Zeilen ;-)

James Jacob Hinrich Krüss
geboren am 31. Mai 1926 auf Helgoland
gestorben am 2. Aug 1997 auf Gran Canaria

Mein Lebens-ABC
Auf der Insel Helgoland
Bei viel Wasser, Wind und Sand
Centimeterkurz (kein Held)
Drang ich ein ins Licht der Welt
Erste Verse reimte ich
Früh schon friesisch - meist für mich
Gern fuhr ich kreuz und quer,
Hummer fangend mit aufs Meer,
Insulaner war ich hier,
Jedenfalls mit viel Pläsier,
Kam jedoch aufs Festland dann,
Lernte fleißig Lehrersmann,
Mußte aber mit Gewehr,
Noch ein Jahr ins Kriegesheer,
Ohne Paß - der Krieg war aus -
Pilgerte ich dann nach Haus,
Querte Deutschland wochenlang,
Radelnd auch und mit Gesang.
Später, statt als Lehrersmann,
Trat ich dann als Dichter an.
Und was ich so schreib, gefällt
Vielen Kindern auf der Welt.
Wie erfreulich und wie nett!
X,
Ypsilon,
Zett.

James Krüss hat als einer von Deutschlands bekanntesten Kinderbuchauoren sicherlich Literaturgschichte geschrieben, unter anderem unter den Pseudonymen Markus Polder und Felix Ritter. Zu seinen bekanntesten Werken gehören neben Timm Thaler und den Glücklichen Inseln:

Hinzu kommen eine Reihe von Gedichten und Erstlesergeschichten, die geistreich, unterhaltsam und immer witzig sind. Alle Bücher gibt es inzwischen als Taschenbuch, durchgehend sehr günstig und auch deshalb lohnenswert.

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