Hallo zusammen - diese Seite über Stephen Kings Saga vom Dunklen Turm ist inzwischen leider völlig überholt... inzwischen ist die Reihe nämlich beendet, der 7. und letzte Band ist gerade auf Englisch erschienen (ich stecke mittendrin ;D), aber die Infos hier beziehen sich nur auf Band 1 - 4. Wenn ich durch bin und Zeit habe, werde ich alles auf den neuesten Stand bringen, versprochen! :)
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Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose.
Über Stephen King lässt sich sicherlich streiten - Horror ist nicht jedermanns Sache, viel ist ausgeschlachtet und mit größtenteils schlechten Verfilmungen vermarktet worden. Ich habe einmal mit jemandem auf einer Party über Kings Werke diskutiert, und er sagte, Stephen King sei ein Prolet (und seine Leser deshalb auch).
Das hat mich sehr geärgert - ich habe viele Bücher von King gelesen und mag sie nicht alle, aber sein erzählerisches Genie, das Talent, (teilweise recht abstoßende) Einblicke in die menschliche Psyche zu gewähren und die Kunst, den Leser zu packen, kann man ihm nicht absprechen.
Was weniger bekannt ist, ist Stephen Kings Talent zum Weltenbastler. Er ist nämlich einer, und witzigerweise (und sicherlich nicht gerade zufällig) heißt seine Welt "Mittwelt".
Die Saga um den Dunklen Turm, die ingesamt 7 Bände umfasst ("Schwarz" (The Gunslinger), "Drei" (The Drawing of the Three), "Tot" (The Wastelands), "Glas" (Wizard and Glass), "Wolfsmond" (Wolves of the Calla), "Susannah" (Song of Susannah) und "Der Turm" (The Dark Tower) umfasst, ist in Deutschland meines Wissens nach nicht sehr bekannt bzw. beliebt, gemessen mit Büchern wie Carrie, Cujo, Shining oder Es. Trotzdem scheint es, dass gerade der Dunkle Turm Kings Lebenswerk ist und ihn sehr beschäftigt:
"Meine bisher erschienenen Romane und Geschichten reichen aus, um ein ganzes Sonnensystem mit Phantasie zu füllen, aber Rolands Geschichte ist mein Jupiter."
Fast alle Bücher von Stephen King sind verwoben mit der Turm-Saga, es gibt unendlich viele Parallelen. Sehr enge Beziehungen zu der Geschichte um Roland und sein Ka-Tet haben "Hearts in Atlantis", "Das Schwarze Haus" (das Buch kann man ohne die Turm-Reihe nahezu gar nicht verstehen), "Talisman", "Alles endgültig" (eine sehr gute Kurzgeschichte aus "Im Kabinett des Todes") und "The Stand". Aber in fast allen anderen Büchern wird man Personen aus der Turm-Saga treffen und Andeutungen lesen, zum Beispiel in "ES" oder in "Insomnia".
Die Turm-Saga ist ein Geniestreich, Stephen Kings Meisterwerk. Die Bücher sind mystisch, intelligent und unendlich spannend, manchmal so traurig, dass man sie irgendwann zur Seite lesen muss, und immer so "echt", dass man nur mit großem Bedauern daran denkt, dass die Ereignisse, die King schildert, nicht real sind.
Die sieben Bücher von Mittwelt liegen mir sehr am Herzen, deshalb werde ich mich Mittwelt etwas ausführlicher widmen. Die Geschichte ist genial und wirklich packend erzählt - wenn man am Ball bleibt, denn der erste Band "Schwarz" ist erzähltechnisch zunächst noch nicht so ausgereift wie die folgenden Bände. Selten hat mich ein Duell so fasziniert wie das Initiationsritual von Roland, der im Kampf gegen seinen Gegner und Lehrmeister Cort eine ungewöhnliche Waffe einsetzt, einen guten Freund opfert und der jüngste Revolvermann aller Zeiten wird. Selten hat eine Liebesgeschichte mich so berührt wie die im vierten Band "Glas" - die Liebe zwischen Roland und Susan, die so schrecklich endet, wie man es sich nur vorstellen kann.
Nachfolgend einige Erläuterungen zu Mittwelt und zu den vier Bänden der Saga, außerdem einiges über Stephen King.
Über Mittwelt | Schwarz | Drei | Tot | Glas | zu dem Gedicht "Child Roland to the dark tower came"
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Mit Mittwelt hat Stephen King eine Welt geschaffen, die gleichzeitig alt und neu ist. Einiges scheint mittelalterlich; beim Lesen tauchen sehr viele Assoziationen mit Amerikas Wildem Westen auf - so gesehen ist Roland, der Revolvermann, ein Cowboy, die Bars, die er besucht, sind Saloons in Westernstädten und so weiter. Andererseits birgt Mittwelt viele technische Relikte, die aus unserer Zeit zu stammen scheinen - teilweise aber bereits viel weiter entwickelt als unser heutiger Stand der Technik; zum Beispiel gibt es Cyborgs, die auf Mittwelt schon lange veraltet sind.
Mittwelt und der Dunkle Turm wurden durch Robert Brownings episches Gedicht "Child Roland to the Dark Tower came" inspiriert - der Titel des Gedichts stammt von einem Nonsens-Satz, den der König in Shakespeare's "King Lear" von sich gibt. Wer das Gedicht lesen möchte, kann dies hier tun. Der Dunkle Turm, nach dem Roland sucht, befindet sich (wie er glaubt und hofft) im Zentrum von Mittwelt. Den Weg dorthin weisen Pfade, die Mittwelt wie einen Kuchen oder ein Wagenrad teilen - sogenannte Balken, normalerweise nicht erkennbar, aber überdeutlich für den zu sehen, der das Prinzip einmal erkannt hat.
Das Ganze kann man sich etwa so vorstellen:
Am äußeren Ende der Balken liegen 12 Türen - die Tore nach Mittwelt.
Jedes Tor hat einen Wächter - in Band drei (Tot) werden Roland, Eddie und
Susannah mit einem riesigen Bären konfrontiert, der entweder Mir genannt
wird (von dem Alten Volk, das in Furcht vor ihm lebte) oder Shardik (von den
Großen Alten, die ihn gebaut haben - der Bär entpuppt sich als 12
Meter hoher Cyborg.) Andere Wächter sind u.a. Schildkröte, Fisch,
Hase, Löwe, Fledermaus und Vogel.
Den Verlauf des Balken kann man eigentlich sehr einfach folgen, wie Roland erklärt - nach ihm richten sich die Wolken, das Gras und die Wuchsrichtung der Bäume. Die Gemeinschaft muss also "nur" dem Balken folgen, was sich aber als äußerst schwierig und gefährlich entpuppt.

"Schwarz" (229 Seiten) ist der erste Band der Saga um den Dunklen Turm. Der Leser begegnet Roland, dem Revolvermann mit den kalten blauen Augen, der den Mann in schwarz durch die Wüste verfolgt. Der Mann in schwarz ist Gilead Walter, ein alter, aber verlogener Freund von Rolands Vater, der in Wirklichkeit mit bösen Absichten dem großen Zauberer Marten (Merlin in unserer Welt) diente. Rolands Ziel ist es nicht nur, den Mann in schwarz einzuholen, sondern auch, den Dunklen Turm zu finden. Dort hofft er, die rasch voranschreitende Zerstörung von Mittwelt aufhalten zu können.
Roland ist besessen von dieser Idee, es ist sein einziger Lebenszweck. Der Leser erfährt von Rolands Mannbarkeitsritual (viel zu früh aufgezwungen von Marten), einem Duell mit seinem Lehrmeister Cort, aus dem er schließlich als Sieger hervorgehen kann - durch die Wahl einer ungewöhnlichen Waffe.
In "Schwarz" wird bereits offensichtlich,
dass Rolands Welt mit unserer verbunden ist - der Revolvermann findet in einer
Hütte in der Wüste den Jungen Jake, der aus "unserem" New
York der 70er Jahre stammt. Eines der Tore nach Mittwelt ist der Tod, und Jake
kommt nach Mittwelt, nachdem er von einem Auto überfahren wird. Vor das
Auto gestoßen hat ihn ein Mann namens Jack Mort, beeinflusst durch Rolands
alten Feind Walter. Als Roland endlich den Mann in Schwarz einholt, muss Jake
erneut sterben - Roland opfert seinen verlorenen Sohn dem Dunklem Turm.
Am Ende von "Schwarz" legt der Mann in schwarz die Karten für
Roland:
Auf seinem Weg wird der Revolvermann drei Türen vorfinden - diese Türen führen in unsere Welt. Die erste Karte zeigt Eddie Dean, einen von einem Dämon namens "Heroin" Besessenen aus dem Jahr 1987. Die zweite Karte offenbart eine Tür ins Jahr 1964. Sie führt zu Odetta Susannah Holmes, einer jungen schizophrenen Frau, die im Rollstuhl sitzt. Ihre Beine hat sie bei einem U-Bahn-Unfall verloren, der kein Unfall war - tatsächlich fiel sie indirekt Marten, dem Zauberer, zum Opfer. Die dritte Karte zeigt den Tod, "aber nicht für dich.", wie der Mann in schwarz Roland erklärt.
Auszug:
"Sag mir, woran du dich erinnern kannst", bat er Jake.
"Das ist nicht viel. Und es ergibt sowieso keinen Sinn mehr."
"Sag es mir. Vielleicht kann ich einen Sinn erkennen."
"Da war ein Ort... derjenige vor diesem. Ein hoher Ort mit vielen Zimmern und einem Dachgarten, wo man hohe Gebäude und Wasser sehen konnte. Im Wasser stand eine Statue."
"Eine Statue im Wasser?"
"Ja. Eine Frau mit Krone und Fackel."
"Erfindest du das?"
"Muss wohl so sein", antwortete der Junge resigniert. "Da waren Dinge, mit denen man auf der Straße fahren konnte. Große und kleine. Gelbe. Eine ganze Menge gelbe. Ich ging zu Fuß zur Schule. Neben den Straßen waren Betonwege. Fenster, in die man hineinschauen konnte, und Puppen mit Kleider an. Die Puppen verkauften die Kleider. Ich weiß, es hört sich verrückt an, aber die Puppen verkauften die Kleider."
Der Revolvermann schüttelte den Kopf und suchte im Gesicht des Jungen nach Lügen. Er fand keine.
"Ich ging zu Fuß zur Schule", wiederholte der Junge beharrlich. "Und ich hatte eine..." Er kniff die Augen zusammen, seine Lippen bewegten sich suchend, "...eine braune... Bücher... tasche. Ich hatte Essen dabei. Und ich trug...", wieder dieses Suchen, schmerzvolles Suchen, "...eine Krawatte."
"Eine was?"
"Ich weiß nicht." Die Finger des Jungen machten eine langsame, unbewusste Geste des Knüpfens am Hals - eine Geste, die der Revolvermann mit Hängen assoziierte.
"Ich weiß es nicht. Es ist alles fort." Er wandte den Blick ab.

"Drei" (463 Seiten), der zweite Band der Saga um den Dunklen Turm, beginnt an einem Strand, an dem Roland eingeschlafen ist. Zwei seiner Finger fallen einer Schar "Monsterhummer" zum Opfer - fast ein Todesurteil für einen Revolvermann. Durch die Bisse vergiftet, wird Roland sterbenskrank. Er muss durch die Türen in unsere Welt, um Eddie Dean, den Junkie, Susannah Holmes, die schizophrene und sehr gefährliche Schwarze, und Jake Chambers, den Jungen, zu holen.
Eddie steckt gerade in echten Schwierigkeiten, als sich plötzlich Roland in sein Gehirn einklinkt - er sitzt in einem Flugzeug und überbringt als Drogenkurier mehrere Kilogramm Heroin nach New York.
Sehr mühsam und unter vielen Gefahren gelingt
es Roland, Susannah und Eddie in seine Welt zu holen - zunächst als unfreiwillige
Gefangene, die nicht in ihre eigene Welt zurück können.
Die drei finden den Pfad des Balkens und folgen ihm.
In "Drei" erhält der Leser bereits
einen interessanten Einblick in die Charaktere der Helden:
Roland, der Revolvermann, ist besessen von seiner Suche nach dem Dunklen Turm
und bereit, dafür alles und jeden zu opfern. Er ist nicht freundlich, aber
doch im Kern gut und besticht durch einen außergewöhnlich starken
Charakter und viele Talente - gefördert durch seine harte Ausbildung zum
Revolvermann. Er ist nicht sehr humorvoll und versteht weder Witze noch Ironie.
Seinen Mitmenschen gegenüber benimmt er sich oft mürrisch, unfreundlich
und gnadenlos streng. Gleichzeitig ist er gesegnet mit außerordentlich
geschärften Sinnen, großer Willensstärke und einen glasklaren
Verstand. Im Verlauf der Geschichte vom Dunklen Turm erlangt Roland eine fortschreitende
Ruhe (auch hervorgerufen durch seine verkrüppelte Hand), Güte und
sogar Selbstironie. Roland ist eine Art Ritter, einer der letzten Helden der
Alten Welt.

"Tot" (451 Seiten), der dritte Band, beginnt mit einem Paradoxon: Jake, der Junge, befindet sich einerseits in New York, wo er von einem Auto überfahren wird, nach Mittwelt gelangt und abermals stirbt, als Roland ihn im Stich lässt (siehe "Scharz") - andererseits lebt er in New York nach seinem Tod weiter und wird fast zwischen den beiden Welten zerrissen. Am Ende von "Tot" können Eddie, Susannah und Roland Jake unter großen Gefahren nach Mittwelt holen - die Zeiten verschmelzen und das Paradoxon löst sich zwischen einem unheimlichen Geisterhaus und einer Wüste voller Dämonen auf.
Das Quartett bricht zum Dunklen Turm auf und wird kurz darauf zum Quintett, als sich ein sogenannter "BillyBumbler" (ein putziges, Wombat-ähnliches Wesen) Jake anschließt.
Zusammen gelangt die Gemeinschaft nach Lud, einem degenerierten Ödland mit Endzeit-Flair, und findet neben dem hochgefährlichen Tick-Tack-Mann auch den wahnsinnigen Monoschienenzug Blaine. Blaine, die Lok, ist der einzige, der sie ins viele tausend Meilen entfernte Topeka bringen kann. Aber Blaine ist weder freundlich noch fair; vielmehr möchte er sich umbringen und die fünf Reisenden mit sich in den Tod reißen. So einigt sich die Gemeinschaft schließlich auf einen Rätselwettbewerb mit der verrückten Bahn. Wenn sie Blaine ein Rätsel aufgeben, das er nicht lösen kann, wird er sie nach Topeka fahren. Scheitern sie bei einem von Blaines Rätseln, werden alle sterben...
Auszug:
"Schieß!", brüllte Roland. "Susannah, schieß!"
Obwohl sie den Abzug noch nicht gedrückt hatte, sah sie die Kugel treffen; sie wurde einzig und allein vom inbrünstigen Wunsch ihres Herzens, dass die treffen sollte, zum Ziel geleitet. Alle Angst fiel von ihr ab. Übrig blieb ein Gefühl der Eiseskälte, und sie hatte noch Zeit zu denken: Das empfindet er. Mein Gott, wie hält er das aus?
"Ich töte mit meinem Herzen, Wichser", sagte sie, und der Revolver des Revolvermannes dröhnte in ihrer Hand."

Hier setzt der vierte Band "Glas" (842 Seiten) an: Eddie, Roland, Susannah, Jake und Oy sitzen im Zug nach Topeka und versuchen, den Rätselwettbewerb gegen den wahnsinnigen und mordlustigen Blaine zu gewinnen. Blaine kann mit einem nicht ganz fairen Trick überlistet werden (meiner Meinung nach sehr stark an den Kleinen Hobbit angelehnt) und die fünf erreichen zunächst unversehrt Topeka.
In einem märchenähnlichen Schloss (angelehnt
an den Zauberer von Oz) treffen sie den ihnen feindlich gesonnenen Marten. Er
fordert sie auf, sich von Roland zu trennen, da dieser angeblich alles tötet,
was er liebt - was sich irgendwie auch zu bewahrheiten scheint:
In Glas erfährt der Leser endlich etwas über Rolands faszinierende
Vergangenheit und seine Jugend, und über den Fluch, der auf ihm zu liegen
scheint und der tatsächlich alle geliebten Menschen ins Verderben stürzt.
"Glas" ist somit nicht nur eine Fortsetzung der Saga von Mittwelt,
sondern auch eine tragische Liebesgeschichte um Mord, Betrug und Intrigen, in
dem eine mysteriöse Glaskugel eine verhängnisvolle Rolle spielt.
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Band 5: Wolfsmond (Wolves of the Calla)
Band 6: Susannah (Song of Susannah)
Band 7: Der Turm (The Dark Tower - noch nicht auf deutsch erschienen!)
mehr folgt - wie oben geschrieben - hoffentlich in Kürze!
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