Otherland

Band 1:

Stadt der goldenen Schatten

Seit Fantasyliteratur wieder so dermaßen boomt - wozu die Verfilmungen von Büchern wie Tolkiens Herr der Ringe und Rowlings Harry Potter erheblich beigetragen haben - liegt in den Buchhandlungen auch wieder Tad Williams' vierbändiges Werk "Otherland" aus und lacht den Käufer an. Schon die verschwenderische Umschlaggestaltung der imposanten Hardcover-Ausgaben (je Band etwa 700 - 1000 Seiten) ist fantastisch und wäre es allein wert, die Bücher zu kaufen. Außerdem haben die Bücher Lesebändchen - richtig schön also :-)

 

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Fantasy-Fans, die die Osten-Ard-Saga gelesen haben, sind von Williams sowieso schon großes gewohnt, tatsächlich wird der Mann seinem Ruf als Nachfolger Tolkiens, was Fantasy anbelangt (was auch immer man von solchen Vergleichen halten mag) mehr als gerecht. Osten Ard aber beschrieb eine eher mittelalterliche Welt mit vielen "alten" Fantasy-Elementen - Drachen, Schwertergeklirr, Heldentaten - und war deshalb zwangsläufig in Raum und Zeit eingeschränkt.

Was aber, wenn man einen Roman zum allergrößten Teil ins Cyberspace verlegt, in einen Raum, in dem alles - buchstäblich alles - möglich ist? Wo der Phantasie keine Grenzen gesetzt sind? Wo Mittelalter und Science-Fiction-Welten zusammen auferstehen? Genau das passiert in "Otherland".

Otherland oder Anderland ist eine unbeschreiblich große virtuelle Welt, eine Verknüpfung verschiedenster virtueller Räume und Phantasien, geschaffen von einer Organisation unermesslich reicher und mächtiger Personen, der sogenannten "Gralsbruderschaft"
. "Otherland" spielt in der Mitte des 21. Jahrhunderts und in einer Zeit, in der jeder selbstverständlich "online geht" und sich die Zeit in virtuellen Umgebungen vertreibt. Das geheime Otherland-Netzwerk stellt jedoch jede dieser für jeden frei zugänglichen Simulationen so weit in den Schatten, das sie dagegen mehr als primitiv wirken.

Nun kann man sich aber vorstellen, dass ein Zusammenschluss der extrem Reichen und Mächtigen nicht nur Gutes im Sinn hat - und so hat Otherland neben märchenhaften Welten und Jugendträumen auch allerhand Abartiges, Kriminelles und Abstoßendes zu bieten.

Erste schlimme Dinge passieren, bevor noch jemand etwas von Otherland ahnt - Kinder fallen ins Koma, nachdem sie online gegangen sind, und können durch nichts aus ihrem rätselhaften Schlafzustand gerissen werden. Dies geschieht auch dem kleinen Stephen Sulaweyo, der sich wie jedes Kind von Verbotenem magisch angezogen fühlt und sich im Netz in einen virtuellen Nachtclub einschleicht - und nicht mehr aufwacht.

Stephens Schwester Renie ist Dozentin für Virtualitätstechnik an einer Universität in Afrika. Zusammen mit ihrem etwa gleichaltrigen Schüler, dem Buschmann !Xabbu, versucht sie Stephen zu retten und die Ursache für seine seltsame Krankheit herauszufinden. Bis die beiden jedoch auf den geheimnisvollen Namen "Otherland" stoßen, passiert vieles - Freunde werden ermordet, Renie verliert ihren Job, seltsame Fremde entpuppen sich als Verbündete und langjährige Freunde als Feinde.

Auch andere Personen, verstreut über die ganze, vernetzte Welt, haben Interesse an Otherland oder werden unabsichtlich in seine dunklen Geschehnisse verstrickt: der 14jährige US-Amerikaner Orlando Gardiner, der an einer tödlichen Krankheit leidet und der in virtuellen Rollenspielwelten in die Rolle des Barbarenkriegers Thargor schlüpft, die kleine Christabel Sorenson, die auf einem amerikanischen Militärstützpunkt wohnt und die Kontakt zu einem rätselhaften Gefangenen aufnimmt, der englische Soldat Paul Jonas, der im Ersten Weltkrieg getötet wurde und danach in einer Welt wie aus einem schrecklichen Märchen landet - oder hat er das nur geträumt? Und irgendwo lauert der Psychopath Dread auf sein nächstes Opfer...

Diese und andere Menschen, die durch nichts verknüpft zu sein scheinen, treffen in Otherland aufeinander und sehen sich mit der wahnsinnigsten Verschwörung aller Zeiten konfrontiert.

So mannigfaltig wie die Charaktere sind auch die Schauplätze der bisweilen verwirrenden Otherlandsaga. Williams versteht es meisterhaft, alle Erzählstränge zusammenzuführen, alle Rätsel nach und nach zu lösen und dafür haufenweise neue entstehen zu lassen, so dass der Leser stehts atemlos und staunend zurückbleibt.

Ein ideales Buch für Fans von Fantasy *und* Cyberspace mit einer beruhigenden Gesamt-Länge von etwa 3500 Seiten ;).

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