Der Buchtip des Monats für den Februar:

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"Duddits"

von Stephen King

Herrje, schon wieder Stephen King (siehe "Die Saga vom Dunklen Turm") - aber irgendwie sind mir diesen Monat die Ideen ein bisschen ausgegangen und Uni-Stress hab ich auch genug, also nehmen wir mal dieses Buch...

"Duddits" ist eines der neuesten King-Romane (2001) und erschien in Amerika unter dem Titel "Dreamcatcher". Das Buch hat ca. 830 Seiten, was deshalb erwähnenswert ist, weil Stephen King es mit der Hand geschrieben hat, also ohne Compi, Schreibmaschine etc. Das Buch entstand zu der Zeit, als der Schriftsteller nach einem schweren Verkehrsunfall lange im Krankenhaus lag - vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch daran, King wäre damals fast gestorben und hat sehr lange Reha gemacht.

Wie so oft trägt auch "Duddits" stark autobiographische Züge. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen vier bzw. fünf Freunde, die dem fleißigen King-Leser wahrscheinlich recht bekannt vorkommen dürften; in Es und anderen Romanen gibt es ja ähnlich starke Freundschaften.

Das Hauptthema von "Duddits" sind - platt gesagt - Aliens. Das Thema ist meiner Meinung nach in den 90ern schon sehr ausgereizt worden, zum Beispiel in "Akte X", "First Wave" (beides sehr gute Serien) und auch weniger guten Sendungen wie der unsäglichen Teenie-Serie "Roswell". Die Verwendung des Themas in "Duddits" finde ich nicht ganz glücklich, und es ist in dieser Hinsicht vielleicht nicht Kings bestes Buch, aber es ist trotzdem ungemein spannend und unterhaltsam, sicherlich auch sehr intelligent erzählt.

Stephen King's Charaktere scheinen mit fortschreitendem Alter des Schriftstellers immer mehr Tiefe und Vielschichtigkeit zu erreichen, so dass es allein aus diesem Grund eine Freude ist, den Roman zu lesen.

Zu der Geschichte:

Die vier Freunde Jonesy, Biber, Pete und Henry machen wie in jedem Jahr einen Ausflug in der Jagdhütte von Bibers Vater - eine reine Männertour ;-). Obwohl die vier schon längst erwachsen sind und längst ihrer eigenen Wege gehen, kommen sie doch immer wieder zusammen und sind gute Freunde wie eh und je.

Doch in diesem Jahr wird alles anders; die Katastrophe beginnt damit, dass Jonesy auf seinem Hochsitz durch ein Versehen fast einen Mann erschießt, der ziellos durch den Wald irrt. Er nimmt den desorientierten Fremden mit in die Jagdhütte, stellt jedoch rasch fest, dass irgendetwas nicht in Ordnung ist mit Richard McCarthy, der sich wie ein kleines Kind benimmt, Zähne verliert und dazu noch äußerst üble Gerüche von sich gibt.

"Jonesy hätte den Typ fast erschossen, als er aus dem Wald kam. Wie knapp war es? Noch ein Pfund Druck auf dem Abzug des Garand, vielleicht auch nur ein halbes Pfund. Später, mit der Hellsichtigkeit, die manchmal auf das Entsetzen folgt, wünschte er, er hätte geschossen, bevor er die orangefarbenen Mütze und die Warnweste sah. Richard McCarthy umzubringen hätte nicht schaden können; es wäre soagr gut gewesen. Es hätte sie alle retten können, hätte er McCarthy erschossen."

Als McCarthy sich schließlich im Klo einschließt und nicht mehr herauskommt, dafür aber äußerst seltsame Geräusche von sich gibt, bekommen die vier Freunde es mit der Angst zu tun - und das nicht ohne Grund, denn McCarthys Körper ist der Wirt für etwas überaus Entsetzliches (hier hat King ganz eindeutig bei "Alien" geklaut). Doch zum Weglaufen ist es nun zu spät, und schnell wird klar, dass etwas ganz und gar nicht in Ordnung ist:

Der Wald ist von Militär umstellt, ganze Herden von Hirschen und Kaninchen versuchen panisch zu fliehen und McCarthy scheint auch nicht der einzige zu sein, der mit den Aliens in Berührung gekommen ist... Schließlich erinnern sich Jonesy, Pete, Biber und Henry an etwas, das sie lange Zeit mehr oder weniger vergessen hatten: Ihren alten Freund Duddits, der das Down-Syndrom hat und in ihrer Schulzeit der fünfte im Bunde war.

An diesem Punkt fängt die Geschichte erst richtig an, deshalb werde ich nicht mehr verraten... zu sagen ist noch, dass "Duddits" streckenweise recht kompliziert zu lesen ist, denn King springt mühelos zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen den Perspektiven der Hauptfiguren und zwischen Realität, Träumen und Erinnerungen. Für Nicht-King-Fans kann das Buch deshalb evt. etwas mühsam zu verstehen sein, es ist aber auf jeden Fall lesenswert und wie immer voller genialer Einfälle, Dramatik und unglaublicher Spannung.

Typisch für einen King-Roman: Es geht natürlich ziemlich zur Sache, was Gewalt und Tod angeht, aber nicht so übertrieben, dass es platt oder lächerlich wirkt. "Duddits" schrammt knapp am Horror- und auch am reinen Alien-Roman vorbei und bietet eine gute Mischung aus mehreren Genres.

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