Nackt - David Sedaris
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von David Sedaris

Diesen Monat gibt es einen sehr liebenswert-skurrilen Buchtipp, nämlich "Nackt" von David Sedaris.

Mit sehr stark autobiographischen Zügen erzählt Sedaris in 17 Kurzgeschichten Auszüge aus seinem Leben, dass dem Leser teilweise höchst merkwürdig vorkommt, dabei aber auch irgendwie vertraut - ich habe mich in der Tat teilweise gefragt "Wo zum Teufel trifft man denn solche Leute?", andererseits habe ich mich aber auch wiedergefunden, denn Sedaris schreibt, was man zwar denkt, aber selbst nie zu Papier bringen würde.

So erfährt der Leser in kleinen Ausschnitten aus dem Leben des Autors, unter anderem wie David Urlaub im Nudistencamp macht (daher der Buchtitel), wie er seiner Homosexualität gewahr wird, wie er, in der Hoffnung, ein romantisches Leben zu führen, Apfelpflücker wird - ein Job, der nicht ganz den Erwartungen entspricht, da ihm ein Arbeitskollege Avancen macht, indem er David seine riesige Sammlung von künstlichen Penissen zeigt - , wie er eine von Zwangsneurosen und Tics gebeutelte Kindheit und Collegezeit verbringt, wie er als "Abbeizer- und Neulackierer" arbeitet und wie er für einen verrückten Typ, der sich C.O.G. (Child of God) nennt, Uhren aus Jade herstellt, die die Form von Oregon haben (David stellt allerdings lieber kleine stash boxes - Kästchen für Kifferzubehör- her und hat damit wesentlich mehr Erfolg als sein Arbeitgeber.)

Dies alles wird so dermaßen offenherzig und witzig dargestellt, mit so feinem Gespür für den Irrsinn des Lebens, dass der Leser aus dem Staunen und Lachen nicht mehr herauskommt. Denn David ist eigentlich ein Antiheld, ein schrulliger, pingeliger, erfolgloser junger Mann, dem das Leben nichts schenkt und der ein besonderes Gespür für irre Typen zu haben scheint.

Auszug:

"Wir waren bereits weit in die sommerlichen Wiederholungen vorgedrungen, als unser Haushalt von einer Serie sehr realer Verbrechen erschüttert wurde, die kein Fernseh-Detektiv je knacken zu können hoffen würde.

Jemand in unserer Familie hatte sich angewöhnt, sich seinen oder ihren Arsch mit dem Handtuch abzuwischen. Besonders störend war dabei, dass all unsere Hand- und Badetücher sirupfarben waren. Man trocknete sich gerade die Haare ab, und plötzlich bemerkte man einen Geruch an Händen, Kopf und Gesicht, der keine Zweifel zuließ.

Wenn das Leben in der Vorstadt schon sonst nichts versprach, so doch, dass man sich von Tag zu Tag hangelte, ohne Scheiße im Haar vorzufinden. Diese plötzliche Wendung stellte unser Selbstverständnis auf eine harte Probe, sodass wir uns fragten, wer wir waren, und wo wie, als Volk, versagt hatten. (...)
Der oder die Kriminelle schlug in allen drei Badezimmern zu und pausierte nur lange genug, um die übrigen in Sicherheit zu wiegen. Da konnte man zwanzig Minuten lang sorgfältig das Handtuch abschnuppern, um dann doch nur zu entdecken, dass das Arschloch diesmal den Waschlappen benutzt hatte."

Das Taschenbuch kostet nur 9 Euro und ist damit erschwinglich, zum Beispiel als Ferienlektüre. Die Fortsetzung mit mehr seltsamen Geschichten heißt Fuselfieber (ebenfalls 9 Euro).

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